Der April zeigt sich von seiner sonnigen Seite, und in Süddeutschland bricht wieder der Ausnahmezustand aus: Die Dirndl und Lederhosen werden aus dem Schrank geholt! In wenigen Tagen, am 17. und 18. April, eröffnen das Münchner Frühlingsfest auf der legendären Theresienwiese und der gigantische Cannstatter Wasen in Stuttgart offiziell die Freiluftsaison. Das frisch gebraute Frühlingsbier fließt in Strömen, Bratwürste brutzeln auf den Grills, und die Fahrgeschäfte drehen sich. Doch für Zehntausende spontane Besucher beginnt schon am ersten Wochenende der große Frust. Die riesigen Festzelte hängen oft schon mittags Schilder mit der Aufschrift „Wegen Überfüllung geschlossen“ an die Türen. Wer nicht schon im Winter Tische für teures Geld reserviert hat, bleibt oft durstig im Regen stehen. Einheimische Fest-Profis, Kellnerinnen und Zelt-Veteranen lüften nun jedoch ein gut gehütetes Geheimnis. Es gibt eine simple, uhrzeitliche Lücke im System und zwei Fehler, die Touristen jedes Jahr machen. Mit dieser Taktik trinken Sie Ihre Maß Bier ganz entspannt am Tisch – völlig ohne Reservierung.
Der Mythos der „hoffnungslos ausverkauften“ Zelte
Wenn Sie am kommenden Wochenende spontan planen, mit Freunden auf die „Kleine Wiesn“ (wie das Münchner Frühlingsfest liebevoll genannt wird) oder zum Stuttgarter Frühlingsfest auf den Wasen zu fahren, haben Sie wahrscheinlich schon Horrorgeschichten gehört.
Tischreservierungen in den berühmten Festzelten, wie der Festhalle Bayernland oder dem Hippodrom in München (oder Göckelesmaier und Grandls Hofbräu Zelt in Stuttgart), erfordern oft Mindestabnahmen an Biermarken und Hendl-Gutscheinen in Höhe von Hunderten Euros.
Verbraucherschützer und Festwirte stellen jedoch eines klar: Jedes Festzelt in München und Stuttgart muss gesetzlich einen bestimmten, oft großen Bereich im Mittelschiff oder in den Seitenschiffen komplett reservierungsfrei (für Spontangäste) halten.
Das Problem ist nicht, dass es keine Tische gibt. Das Problem ist, wie und wann Sie das Zelt betreten.
Der Anfängerfehler am Haupteingang
Der größte Fehler, den Touristen und unerfahrene Festbesucher am Wochenende machen, passiert direkt am Einlass.
-
Die lange Schlange: Wenn das Zelt voll wird, sperrt der Sicherheitsdienst (Security) die großen Haupteingänge ab. Hunderte Menschen stehen sich dort stundenlang die Beine in den Bauch.
-
Der „Hintertür-Hack“: Echte Locals wissen: Die großen Festzelte haben immer mehrere Seiteneingänge und Zugänge über die Biergärten, die an den Längsseiten liegen. Diese werden von den Massen oft ignoriert. Gehen Sie um das Zelt herum! Oft lässt die Security an den hinteren Biergarten-Eingängen immer wieder kleine Gruppen durchrutschen, während vorne nichts vorwärtsgeht.
Aber die wichtigste Waffe für einen Sitzplatz ist die Uhrzeit.
Der goldene „15-Uhr-Schichtwechsel“ (Das Geheimnis)
Wenn Sie am Freitag oder Samstag einen Platz für den Abend ergattern wollen, tauchen die meisten Menschen erst gegen 18 oder 19 Uhr auf – wenn die Live-Bands anfangen zu spielen. Zu diesem Zeitpunkt gleicht der Einlass einem Lottogewinn.
Der Geheimtipp der erfahrenen Kellnerinnen (mit den acht vollen Maßkrügen in den Händen) ist der sogenannte „Schichtwechsel am Nachmittag“.
So funktioniert das Timing:
-
Die teuren Tischreservierungen von Firmen und großen Gruppen für die begehrte Abendschicht (Abendreservierung) beginnen in den Festzelten fast immer exakt um 16:30 Uhr oder 17:00 Uhr.
-
Das bedeutet, dass die Gruppen der Mittagsschicht ihre Tische vorher zwingend räumen müssen.
-
In der Zeit zwischen 14:30 Uhr und 15:30 Uhr herrscht in den Zelten das reinste Stühlerücken. Tausende Menschen strömen nach draußen, die Tische werden hastig abgewischt.
Ihr Einsatz: Wenn Sie genau in diesem Zeitfenster (gegen 15:00 Uhr) völlig entspannt das Zelt betreten, finden Sie in den frei zugänglichen (nicht reservierten) Bereichen des Mittelschiffs fast immer leere Bänke, auf die Sie sich einfach setzen können! Wer sitzt, der bleibt. Sobald Sie an einem Tisch im freien Bereich sitzen und Ihre erste Maß Festbier oder Radler und ein resches Schnitzel (z.B. mit klassischem Kartoffelsalat) bestellt haben, wird Sie kein Kellner mehr vertreiben, wenn abends die große Party losgeht.
Freundlichkeit öffnet jede Tür (und jede Bank)
Noch ein letzter, oft vergessener Tipp für den Stuttgarter Wasen und die Münchner Wiesn: In Süddeutschland gilt im Bierzelt das „Zammrutschen“ (Zusammenrücken).
Wenn Sie nur zu zweit oder zu dritt sind, fragen Sie niemals den Kellner nach einem Platz. Schauen Sie sich im reservierungsfreien Bereich um und fragen Sie freundlich eine Gruppe, die vielleicht nur zu sechst an einem 10er-Tisch sitzt: „Ist hier noch frei? Dürfen wir uns dazusetzen?“
In 99 Prozent der Fälle lautet die Antwort Ja. Nach der zweiten Maß Bier schunkeln Sie ohnehin gemeinsam auf den Bänken zu den Hits der Blaskapelle.
Haben Sie Ihr Dirndl oder die Lederhose schon aus dem Keller geholt, oder meiden Sie die Frühlingsfeste wegen der massiven Menschenmassen und Bierpreise komplett? Sind Sie auch schon stundenlang an verschlossenen Zelttüren verzweifelt? Schlendern Sie dieses Wochenende rechtzeitig gegen 15 Uhr auf die Festwiese und testen Sie den genialen Schichtwechsel-Trick! Teilen Sie dieses Platz-Garantie-Geheimnis und die Rettung für den perfekten Festbesuch in WhatsApp oder Facebook auch mit den Freunden, mit denen Sie am Wochenende anstoßen wollen! Prost!
